Domrubensweib Weblog

Mai 26, 2008

Schlagwort ‘Schlagen’

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peitsche

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße sie schmerzlich zu unserer heutigen Veranstaltung ‘Schlagwort: Schlagen’, die ich im Auftrag der Berufsgenossenschaft Hieb & Stich und des tpa durchführen darf.

Ihren fragenden Blicken entnehme ich, dass Ihnen der Begriff ‘tpa’ noch nicht geläufig ist. die ‘tops professional association’ hat sich schon vor einigen Jahren als Berufsverband der freischaffenden Tops in Schlug an der Hau gegründet um der in beunruhigendem Maß zunehmenden Verwässerung des Berufsbildes des Tops entgegenzusteuern.

Und damit bin ich auch schon nahe am heutigen Thema ‘Schlagwort: Schlagen’ und dem Anlass für diese Veranstaltung, die wir zwischenzeitlich als absolute Notwendigkeit ansehen. Ist BDSM wirklich noch BDSM? Stellt sich nicht heute mehr denn je die eigentliche Sinnfrage nach dem woher, warum, wohin und weswegen? Wir alle haben in der letzten Zeit die Zweifel gespürt, die diesbezüglich mehr oder weniger offen geäußert wurden, sei es in der Lehre, der Forschung oder draußen, in der Praxis. Ich darf nur beispielhaft auf einige der jüngeren Publikationen hinweisen, die uns zu denken geben sollten:

So signifikant etwa Dr. foot. Dr. food. hc. Eckhard Bernds : ‘Fußfetischismus in der Krise? Folgt das Ende der Nuss-Nougat-Creme als Aphrodisiakum?’ in Nachrichten für die Zuckerschnute, 1997, Seite 426 ff, wobei alleine der Umstand, dass das Wort ‘Fußfetischismus’ in Gänsefüßchen geschrieben wird, schon als bedenklicher Umstand gedeutet werden muss. Mit ähnlichem Ansatz, wenn auch in eine andere Richtung deutend, Frau Prof. Felicea Mietz ‘BDSM, das OP oder das OP nicht in der heutigen Zeit’, eine interdisziplinarische Untersuchung am Beispiel quasihomogener Gruppen innerhalb der Neuen Medien, Berlin, Schlagenbachverlag, 1998, eine der jüngst erschienenen Publikationen und dieselbe in ‘Schlaglichter der Szene’ mit ihrem aufrüttelnden Aufschrei ‘Vom Bot zum Bottom? Irrwege des BDSM’, Dezember 1997.

Wegweisend wenn auch fast defätistisch Severin in seinem autobiografischen Bekenntnis : ‘Caf ohne Ziel – ein Top schlägt sich durchs Leben’, Frankfurt, Hamburg, New York, erschienen im Lyssaverlag 1998. Markant, aber eher diffus noch Mars Barovsky Lee mit seiner Theorie über ‘Instabile Top-Sub-Beziehungen am Rande des Beate Uhse-Kataloges’, die deutlich macht, welche Verunsicherung spürbar, ja förmlich greifbar geworden ist bei allen, die sich BDSM zugehörig fühlen. Letztendlich muss auch auf eine äußerst bedenkliche Zeitströmung hingewiesen werden, die aus anarchistischer Lust an der Zerstörung an den Grundfesten des BDSM rüttelt, durchaus unwissend, aber verantwortungslos, und das zentrale Dogma dieser Lebensform ein ums andere mal heimtückisch angreift:

BDSM ist eine todernste Sache

Ich spreche von Bewegungen, wie: Spassguerilla, Spassguerilla 2, Spassguerilla 3 1/2 die nackte Matrone und anderen Splittergruppen und Spaltvarianten.

Ersparen Sie es mir, diese skurrilen Gedankengänge auch nur in Andeutungen zu skizzieren. Es wendet sich das Auge des Betrachters mit Grausen…

Umso mehr ist es unsere Aufgabe, in dieser orientierungslosen Zeit Grenzsteine zu setzen, sozusagen Leitplanken des BDSM, Wegweiser des Schmerzes, um schon der mentalen und sprachlichen Verwirrung gegenzusteuern.

Klare, einfache Begriffe und Vorstellungen sollen klaren und eindeutigen Wörtern zugeordnet werden können, damit wir wieder mit Stolz sagen können: Wir wissen, wovon wir sprechen und wir wissen, warum wir schlagen.

Damit wäre ich bei unserem heutigen Thema.

Sauberes Schlagen setzt sauberes Formulieren voraus, nur wer das Wort richtig versteht, wird einen klaren, reinen Hieb zu führen wissen.

Im Bewusstsein dieser unumstößlichen Wahrheit wollen wir heute einen ersten Schritt zurück zu den Wurzeln und nach vorne in die Zukunft tun und der babylonischen Sprachverwirrung ein Ende bereiten, die die reine Lehre des BDSM verwässert hat.

Ich frage Sie, hat es früher solche Formulierungen gegeben:

Meine Sub ist echt top!
oder:
lieber devot als rot?
oder:
ich bin mit Grippe ans Bett gefesselt?

Die Antwort ist ein klares: Njein!

Auch bei einem der elementaren Begriffe des BDSM, dem Schlag oder dem Schlagen ist es nicht anders. Mit diesem Praktikerseminar wollen wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung tun und uns die Grundlagen in Erinnerung rufen, die uns eine klare Orientierung geben können, wenn es beispielsweise heißt:

Schlag nach bei Shakespeare

und wieder niemand die fünfundzwanzigbändige Taschenbuchausgabe von Goldmann oder Klett-Cotta griffbereit hat.

Um anschaulich zu machen, was unser Anliegen ist, will ich meine Ausführungen durch den einen oder anderen Streich bildhaft unterstreichen, wenn Sie mir dieses launische Wortspiel nachsehen wollen.

Der Schlag. Urbild und Ursymbol der Kraft des BDSM. Was ist aus ihm geworden? Er begegnet uns heute nicht mehr oft in seiner ursprünglichen, unverfälschten Form, sondern ist teils degeneriert, verbogen, verschämt, seiner Kraft beraubt, verballhornt und oft kaum noch in seinem machtvollen Wesen erkennbar.

Dabei sollte jede gute Session zumindest ein Anschlag auf die Renitenz des sub sein. Die BDSM-Erstschlagtheorie ist – zugegeben- noch etwas unterentwickelt.

Wie wird also der erste Schlag richtig bezeichnet?

Ist es der Aufschlag, angelehnt an sportliche Vorbilder, obwohl er dort völlig eigentlich völlig falsch von oben nach unten geführt wird?

Sollten wir ihn eher als Abschlag bezeichnen, mit dem das Spiel begonnen wird? Vergleichbar der Abschlagbewegung beim Golfspiel?

Oder schlicht als Erstschlag? Eas in der Konsequenz zu einer relativ langweiligen mathematischen Sichtweise führen könnte, zwei, drei, vier, usw.

Sollte man deshalb nicht eher mit einem leichten Vorschlag beginnen, quasi um den sub etwas warm zu schlagen?

Und, was genau so wichtig ist, wie geht es weiter mit der richtigen Reihenfolge?

Kommt der Umschlag vor dem Einschlag oder der Hauptschlag vor dem Niederschlag?

Wie wird der Umschlag richtig ausgeführt? Schlägt der Top dabei um sich oder um den Sub herum?

Wie tief darf der Einschlag tatsächlich erfolgen?

Wann wird sinnvollerweise der Hauptschlag gesetzt? In der Aufwärmphase, in der Mitte der Session, oder als krönender Schluss?

Wobei sich dann zwangsläufig die Frage stellt:

Was geschieht aber dann mit dem Nachschlag?
Wie gefährlich ist der Überschlag wirklich?
Kann ein Tiefschlag ein Hochgefühl erzeugen? Und wenn ja, bei wem?

Stellt es einen Rückschlag dar, wenn der Überschlag, den man setzen will, nur ein Niederschlag wird?
Wie nieder muss der Niederschlag angesetzt werden? Gilt er bis zum Knie oder nur bis zur Wade?
Was tut man, wenn der Niederschlag wie ein Platzregen den sub in Grund und Boden gedonnert hat?
Hilft dann ein Donnerschlag? Und wo muss es donnern? Im Ohr des sub oder auf der Kehrseite? Fragen über Fragen und wenige Antworten.

Muss erst der Blitz einschlagen, um den sub nach dem Niederschlag wieder auf die Beine zu bringen?
Zwar sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den Hirnschlag mit Grips aber nicht auf das Haupt auszuführen, aber… Können wir uns sicher sein, dass es hier nicht zu folgenschweren Irrtümern kommt?

Wer den Herzschlag zu ruckartig ausführt, wird am Pulsschlag erst recht scheitern, dann im Herzschschlagfinale.

Immer wieder bereitet der Zungenschlag Probleme, auch den Fortgeschrittenen, wobei zwischen dem echten Zungenschlag und dem Fake unterschieden werden muss. Ich bitte deshalb um Ihre Aufmerksamkeit, 1. das Fake , 2. der echte Zungenschlag . Haben Sie es erkannt? Das Fake meinte ich.

Nur erfahrene Herrenreiter sollten den sog. Hufschlag zur Ausführung bringen, da die Verletzungsgefahr hier besonders groß ist, wenn ein BDSM-unerfahrenes Pferd hinzugezogen wird.

Besondere Schwierigkeiten bereitet es heute, den korrekten Stromschlag auszuführen. Seit dem Washingtoner Artenschutzabkommen ist ja die Verwendung lebender Zitteraale ausdrücklich verboten, wobei es auch vor dessen Geltung bereits sehr, sehr schwierig und aufwendig war, dominante Zitteraale zu finden, um das Prinzip der Konsensualität nicht zu durchbrechen. Heute wird wegen der vorgenannten Ressourcenproblematik vermehrt auf sogenannte ‘Brizzel-’ oder auch Elektrogerten zurückgegriffen, wobei wir sie im Interesse ihrer eigenen Gesundheit bitten, nur Gerten mit dem Prüfzeichen ‘GSS’ , ‘geprüfte Sado-Sicherheit’ zu verwenden.

Manchmal kann es auch sein, dass sich ein sub von einem Schicksalsschlag nicht mehr so recht erholen will, dann, liebe Anwesende, lassen Sie uns nicht zögern, unverzüglich fachkundige Hilfe aufzusuchen. Mit dem Schicksalsschlag ist nicht zu spaßen, vor allem, wenn er unvorbereitet trifft.

Auch gefährliche Varianten wollen wir durchaus erwähnen, wenn sie auch nicht allzu häufig in der Praxis wirklich eine Rolle spielen. So ist ein Schlaganfall zwar sehr unangenehm, jedoch in der Regel für den sub viel gefährlicher, als für den Top.

Vielleicht merken Sie schon nach diesen kurzen Ausführungen, dass man auf Anhieb nicht sofort den richtigen Schlag parat hat. Gehen Sie deshalb nicht zu schlaksig an die Sache heran, ein beschlagener Top wird sich weder vor Eifer überschlagen, noch durch Verschlagenheit zu durchschlagendem Erfolg kommen. Haben sich erst einmal die Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg zerschlagen, sollten sie ihre Erfahrungen nicht schamhaft unterschlagen, sondern offen und bereitwillig mitteilen, damit auch der Nachwuchs Zugang zu schlagkräftigen Argumenten hat.

Kein Schlaglicht kann so grell, kein Schlagschatten so schwarz sein, dass wir nicht wenigstens eine noch so kleine Schlagzeile formulieren können, die uns helfen kann, zu verhindern, dass die wahre Lehre des BDSM in ein dunkles Schlagloch fällt.

Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch die von der Berufsgenossenschaft erlassenen Unfallverhütungsvorschriften, sowie die einschlägigen DIN-Normen für Schlagzeug und Schlaginstrumente jeder Art. Niemand wird es verstehen, wenn sie mit einem nicht ISO-zertifizierten Schlagbaum eine Schlagader verletzen, nur weil Schlagring und Schlagbolzen ungesichert verwendet wurden. Verwenden Sie deshalb nur einsatzgeprüfte Schlagstöcke deutscher Polizeiverbände aus europäischen Herkunftsländern.

Nur wer sein Schlagwerk verantwortungsbewusst vollendet, gerät nicht in die Gefahr, mit abgedroschenen Vorhaltungen konfrontiert zu werden und zuletzt abgeschlagen irgendwo im Nichts des BDSM zu enden. Entwickeln Sie durch solide Kenntnisse Selbstsicherheit und wenn Sie dann doch einmal aus dem Hinterhalt spassguerillamässig als alter Haudegen verunglimpft werden sollten, wird Ihnen schlagartig zu Bewusstsein kommen, was Sie heute hier gelernt haben:

BDSM ist und bleibt eine todernste Sache.

Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht auch wir von der Berufsgenossenschaft Hieb & Stich durchaus Humor zu schätzen wissen, wie er etwa in den launigen Versen des verschlagenen Bilch zum Ausdruck kommt:

Seis Subarsch oder Sahnetüte, worauf des Toppes Gerte wüte… Hau rein!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(c) Newbav, www.spassguerilla.de

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