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Mai 25, 2008

Definition Vanilla (c)Wolf Deunan

Filed under: Fun/Humor — Schlagwörter: , — DRW @ 11:30 am

Die Definition Vanilla
eine satirische Betrachtung von Wolf Deunan

Vanille (Syn. Stino [vulgär], Normalo; engl.: Vanilla) n. >Psychosexuelle Krankheit< aus der Gruppe der Perversionen (Paraphilien), gekennzeichnet durch eine reduzierte Fähigkeit zur adäquaten Reaktion auf bestimmte sexuelle Reize, einer stereotypisch begrenzten Wahl der angewandten sexuellen Praktiken und einem verarmten Phantasieleben.

Vanillas tritt oft zusammen mit einer Unfähigkeit zur Annahme komplexer Spielpersönlichkeiten sowie Störungen der partnerschaftlichen Vertrauens- und Kommunikationsbeziehung auf. Die Erkrankung kommt bei beiden Geschlechtern gleich häufig vor und wird meist im jungen Erwachsenenalter diagnostiziert. Vanillas wurden zum ersten Mal 1886 durch den deutschen Psychiater Richard von Krafft- Ebing von der normalen Bevölkerung abgegrenzt.
Leitsymptom ist eine Unfähigkeit, auf simulierte Dominanz- Unterwerfungs-Beziehungen oder ihre Darstellungen sexuell angemessen zu reagieren. Vanilles sind nicht in der Lage, ein Machtgefälle zum Zweck des Lustgewinns aufzubauen, ihnen gelingt die Einteilung in Top und Bottom nicht.

Die Betroffenen fühlen sich lediglich von der körperlichen Erscheinung des Partners angesprochen, und besonders beim männlichen Vanille ist die Erregungsfähigkeit auf eine direkte Stimulation der Geschlechtsorgane reduziert.
Beim Akt selbst ist das Vorspiel rudimentär. Es erstreckt sich meist nur über wenige Minuten und beinhaltet lediglich die Stimulation erogener Zonen. Die Breite der angewandten Praktiken ist wesentlich geringer als bei Gesunden und umfaßt meist nur den genitalen Geschlechtsverkehr.
Auffällig ist weiter die Armut des sexuellen Phantasielebens. Es werden nur die Identität des Partners, die eigene Identität oder der Ort verändert. Die Handlung ist auf den Akt selbst oder auf banale Verführungssituationen reduziert. ein Machtgefälle wird nicht aufgebaut, wenn auch einige Vanilles angeben, von Vergewaltigungsszenen erregt zu werden.

Charakteristisch für Vanilles ist weiter eine Ablehnung der Verwendung von Gegenständen in jeglicher Form beim Geschlechtsakt, einschließlich Dildos oder Vibratoren. Diese Ablehnung nimmt bei Gegenständen, die zur Symbolisierung oder Umsetzung eines Machtgefälles werden, Züge einer ausgeprägten Phobie an. Zusammengefaßt besteht das Geschlechtsleben beim Vanille aus einer kleinen Teilmenge des Normalen. Dabei kann der Grad der Einschränkung erheblich variieren.

Die folgenden, fakultativen Symptome unterstützen die Diagnose:

Eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit.
Es sind Fälle von Vanilles belegt, die selbst mit langjährigen Partnern nicht über ihr Geschlechtsleben sprechen und selbst die eigenen sexuellen Vorlieben nicht mitteilen können. Es ist allerdings nicht klar, zu welchen Grad dieser Mangel auf einer Angst vor gesellschaftlicher Zurückweisung beruht. Zu der eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit gehört das Fehlen eines Safewords und anderer Sicherheitscodes.
Besonders Vanille- Männer zeigen eine geringere Masturbationsfrequenz als die Normalbevölkerung (Sprengler 1977). Bei Vanille- Frauen steigt die Häufigkeit der Selbstbefriedigung zwar mit dem Bildungsgrad, liegt allerdings auch noch unter dem Normwert.
Vanilles werden lebensgeschichtlich früher sexuell inaktiv als die durchschnittliche Bevölkerung. Dieser Effekt ist bei homosexuellen männlichen Vanilles besonders deutlich ausgeprägt, die im Alter große Schwierigkeiten haben können, einen Partner zu finden (>Jugendkult< der Vanille- Schwulen.
Außerhalb des Geschlechtlichens sind Vanilles in der Regel auffällig und zu erstaunlich kreativen Leistungen fähig. Einige Vanilles sind berühmte Künstler oder Dichter geworden.
Außerhalb ihres Geschlechtslebens sind Vanilles zwar durchaus in der Lage, Hierarchien zu bilden, diese sind jedoch außergewöhnlich starr und zeichnen sich durch ein völliges Fehlen der Vorstellung des Rollenwechsels oder zeitlicher Begrenzung aus (sie Patriachat).

Differenzialdiagnostisch muß der Vanille abgegrenzt werden zu Gesunden, die aus religiösen Gründen eine freiwillige Einschränkung bei der Wahl ihrer Praktiken vornehmen, sowie zu geistig Behinderten, die komplexere Praktiken kognitiv nicht durchzuführen in der Lage sind. In der Praxis präsentiert sich der Vanille oft als normalintelligenter Patient von unauffälligem Habitus, der meistens von dem Partner oder aus eigenem Leidensdruck heraus mit der Verdachtsdiagnose von Impotenz, bei Frauen auch Frigidität, vorstellig wird.

Typisch bei Vanilles ist die Vorgeschichte. Zwar durchlaufen sie die normalen Kinderspiele wie >Räuber und Gendarm< oder >Fangen<, binden diese Frühformen jedoch postpubertär nicht in ihr Geschlechtsleben ein und berichten nicht von der Faszination, die sie auf ihre normalen Altersgenossen ausübt.
Während der Normalgeschlechtliche sich fast immer an eine Vielzahl von Situationen erinnern kann, in denen er von Macht- Unterwerfungs- Darstellungen fasziniert war, fehlen diese Erfahrungen beim Vanille ganz.

Pubertär werden sich Vanille- Jugendliche im sogenannten >Coming Out< ihrer andersartigen Sexualität bewußt. Während ihre Altersgenossen damit beginnen, in unterschiedlichen Rollenspielen mit ersten Partnern ihre sexuelle Erlebniswelt zu erforschen, bleiben Vanilles auf das Ziel des bloßen Geschechtsakts beschränkt. Der Vanille zeigt kein Interesse an dem Erlernen von Praktiken und kann auf sie mit Abscheu oder sogar Angst reagieren.
In der Frühphase des sexuellen Erwachens, in dem auch der Normalgeschlechtliche stark auf die körperlichen Erregungsmechanismen konzentriert ist, sind die Unterschiede oft nicht auffällig. Das Fehlen einer geistigen Dimension im Sinne einer erotischen Macht- Hingabe- Fähigkeit wird mit zunehmender Reife aber immer gravierender. In dieser Phase wird der Vanille zunehmend von seinen Altersgenossen ausgeschlossen, er erkennt seine eigene sexuellen Einschränkungen und kann ein mangelndes Selbstwertgefühl entwickeln. Ihre Außenseiterrolle macht Vanille- Jugendliche suizidgefährdeter. Allerdings wird die Suizidrate psychoanalytisch auch als fehlende Hemmung zum Beenden des eigenen Lebens als Folge einer unreifen Persönlichkeit diskutiert.

Im Erwachsenenalter zeigen Vanilles neben den eigentlichen Krankheitszeichen eine Reihe von Auffälligkeiten des Sexuallebens, die als Reaktions- oder Kompensationsmechanismen zu verstehen sind. Sie entwickeln eine große Vorliebe für verschiedene >Stellungen<, orthopädisch teilweise bedenkliche Verrenkungen, die laut Giese zunehmend an Frequenz und Raffinesse ein Bild der Sucht annehmen können bei abnehmender Befriedigung.
Von besonderer rechtsmedizinischer Bedeutung ist das erwähnte Fehlen eines Rauschmitteltabus beim Geschlechtsakt. Viele Vanilles nehmen vor dem Geschlechtsverkehr zum Teil erhebliche Mengen Alkohol zu sich und zeigen sich uneinsichtig gegenüber den Gefahren von Geschlechtsverkehr unter dem Einfluß von Drogen. Es ist vermutlich lediglich der primitiveren Auswahl an Praktiken zuzuschreiben, daß es unter Vanilles nicht zu einer höheren Anzahl von Verletzungen mit tödlichem Ausgang kommt.

Fallbeispiel: Der 35- jährige Elektriker Helmut K. wurde von seinem Hausarzt mit Verdacht auf eine sexuelle Erregungsstörung an die Fachklinik überwiesen. Der Patient erschien nervös, war bei der körperlichen Untersuchung unauffällig, aber von seiner eigenen Nacktheit peinlich berührt. Anamneseerhebung schwierig, da K. unfähig war, frei über seine Sexualität und bevorzugte Praktiken zu sprechen.
Er selbst berichtete davon, daß Fesselspiele ihm keinen Spaß machen würden, er sich von Schlagspielen angewidert fühle und keine Neigung verspüre, beim ehelichen Vollzug ein Machtgefälle aufzubauen. Schon als kleines Kind habe er nicht verstanden, warum seine Altersgenossen lieber Fangen spielten als Murmeln. K. gab an, vor der Sexualaufklärung in der Schule jedes Mal Magenschmerzen bekommen und mehrfach diese Stunden geschwänzt zu haben. Ihm war der Sinn der dargestellten Praktiken, einschließlich des Safewords, nicht verständlich.
Seine erste Knebelung mußte wegen einer Panikattacke abgebrochen werden, ein Vorfall, mit dem ihn seine Klassenkameraden noch Jahre später aufzogen. Vor diesem Hintergrund ist die Existenz einer Vanille- Subkultur kritisch zu beurteilen.

Auf der einen Seite ist es Vanilles so möglich, ihre eingeschränkte Sexualität ohne Angst vor gesellschaftlicher Zurückweisung auszuleben. Die Vanille- Subkultur übernimmt die Funktion einer Selbsthilfegruppe und gibt ihnen die Möglichkeit, ohne Angst vor Zurückweisung durch einen sexuell überlegenen Partner ihre eingeschränkte Sexualität auszuleben. Allerdings hat Payk drauf hingewiesen, daß es in der Vanillesubkultur zu einer Chronifizierung der Verläufe kommt, der einzelne Vanille also eine viel geringe Heilungschance hat, sobald er Kontakt mit der Vanillesubkultur erhält.
Tatsächlich werden bei Vanilles, die an der Subkultur teilnehmen, die fakultativen Symptome wesentlich eher auftreten als bei Einzelnen. Vanilles neigen auf subkulturellen Gegebenheiten zu massivem Alkoholkonsum. Stark alkoholisierte und damit unberechenbare Individuen sind bei subkulturellen Zusammenkünften eher die Regel, besonders bei männlichen Vanilles. Teilweise wird die Vielfalt der Praktiken durch sozialen Druck noch weiter eingeschränkt, die Unfähigkeit, gewisse Praktiken auszuüben, wird ausgeweitet durch den Glauben, gewisse Praktiken, zu denen der Vanille eigentlich in der Lage wäre, seien >krank<, >abartig<, >pervers< oder auf andere Art moralisch verwerflich.

Die Vanille- Subkultur sah lange Zeit Masturbation als ein Verhalten an, das zu körperlichen Schädigungen führte; Vorbehalte gegenüber der Selbstbefriedigung bestehen bis heute. Die Subkultur fördert weiter Ansichten über die Rolle der Sexualität und der Gesellschaft, die die Form von Glaubensbekenntnissen oder Mythen annehmen und zu einem massiven Auftreten von Intoleranz führen, Vanilles neigen dazu, ihre eigene Sexualität als >gesund< und als >einzige wahre< Form zu sehen.
Keres dokumentierte Gewalt gegen normalgeschlechtliche Lesben durch Mitglieder der Vanille- Lesbischen Subkultur.

In der Vanille- Subkultur entsteht auch eine eigene Vanille- Pornographie, die wie ihre Sexualität selbst durch eine Verflachung des Inhalts, der Form und der Mittel gekennzeichnet ist. Filme und pornographische Literatur beschränken sich auf endlose Darstellungen von Genitalvereinigungen, in Einzelfällen auch Oral- oder Analverkehr. Die Darsteller sind nicht kostümiert, die Kulisse ist oft auf ein Bett beschränkt und die Handlung nicht in einen zusammenhängenden Rahmen gebettet.
Die dargestellte Situationen sind stereotyp und ohne individuelle Eigenheiten, das Phanstasieleben eines Vanilles gleicht praktisch völlig dem jedes anderen. Auf den Normalgeschlechtlichen wirken diese Filme primitiv und erinnern an die Darstellung von Tierkopulationen in landwirtschaftlichen Lehrfilmen. Von medizinischer Seite ist daher die Unterstützung der Vanille- Subkulturen entschieden abzulehnen, auch wenn sie juristisch leider nach einer Analyse von Sitzmann unantastbar sind. Die Scheinbefriedigung, die ein Vanille beim Eintritt in die Subkultur erfährt, steht in keinem Zusammenhang zu der dadurch verfestigten Einschränkung seiner Lebensqualität durch verminderte sexuelle Erlebnisfähigkeit. Beziehungen zwischen Vanilles und Menschen mit normaler Sexualität scheitern oft an der eingeschränkten Erregbarkeit des Vanilleanteils. Einzelne Paare haben sich arrangieren können, indem sie sich auf den reinen Vanilleanteil der Beziehung reduzieren.

Besonders die fehlende geistige Dimension des Geschlechtsakts macht eine solche Selbsteinschränkung zu einer Qual für den Normalgeschlechtlichen. In Fällen, wo der Vanille sich seiner eigenen Einschränkungen nicht bewußt ist oder die normalgeschlechtlichen Wünsche seines Partners nicht nachvollziehen kann, fühlt sich der gesunde Partner oft unverstanden. In destruktiven Partnerschaften kann der Vanille massiven Druck auf seinen Partner ausüben, seine vollständige Sexualität zu verleugnen. Eine Einschränkung der Fruchtbarkeit bei Vanilles ist nicht beobachtet worden.

Als Ursache für Vanilles werden verschiedene Modelle diskutiert. Die Psychoanalyse geht von einer unreifen Persönlichkeitsentwicklung aus. Demnach verharren Vanilles in der genitalen Phase, gelangen also nicht aus den drei Ich- bezogenen Phasen der Persönlichkeitsentwicklung (oral, anal, genital) in die reife Partner- bezogene Endphase. Als Ursache wird eine Abwehr der Kastrationsangst statt der physiologischen Umwandlung der Kastrationsangst durch bipolare Objektidentifikation mit dem Kastrator und Kastrierten angenommen.
Die erweiterte Theorie von Deutsch, daß alle Frauen im Grunde Vanilles sind, hat sich als nicht haltbar gezeigt. Andere Psychologen gehen davon aus, daß Vanilles aus lieblosen Familien stammen und bei ihnen deshalb unzureichendes Grundvertrauen für Formen der gespielten Hierarchiebildung in persönlichen Beziehung besteht.
So soll die Unfähigkeit von Vanilles, sich als Bottom fallenzulassen bzw. Verantwortung als Top zu übernehmen, auf ein mangelndes Grundvertrauen zurückzuführen sein. Eine Reihe von Psychiatern haben eine Unfähigkeit zur Unterscheidung von Realität und Phantasie postuliert und sehen Vanille als eine Sonderform der Schizophrenie. Das würde die Unfähigkeit erklären, in Rollenspiele einzutreten, wird aber widersprochen von der Tatsache, daß Vanilles außerhalb des sexuellen Bereichs durchaus auch zur Annahme von komplexen Spielidentitäten fähig sind und genauso eine Vorliebe für Romane und Spielfilme zeigen wie Normalgeschlechtliche. Sozialwissenschaftliche Ansätze sehen ein erlerntes, allgemein lustfeindliches Verhalten und verweisen auf den Einfluß verschiedener Religionen.

Aus ihrer Forschung ist eine Diskussion entstanden, ob Vanille- Eitern die Erziehung ihrer Kinder verwehrt werden sollte. Eine Reihe von Neurologen hat einen genetischen Defekt in verschiedenen Teilen des Erregungsystems postuliert, sei es bei der Fähigkeit, soziales Machtgefälle zu erkennen oder die Reize in sexuelle Erregung umzusetzen. Andere sehen in der verminderten Masturbationsfrequenz und dem frühen Abflachen der sexuellen Tätigkeit im Alter einen grundsätzlicheren Defekt im sexuellen System.

Die Therapie von Vanillas gestaltet sich außerordentlich schwierig. Allgemein muß der Zustand als nicht heilbar gesehen werden, viele Patienten können aber mit ausreichender Hilfe eine gewisse Erweiterung ihrer sexuellen Erlebniswelt erfahren. Die besten Erfolge führten bisher zu gelegentlichen Augenbinden- oder leichten Fesselspielen, allerdings bleibt auch hier oft die Erregungsbildung an der optischen Situation, statt an der Beziehung zwischen den Partner fixiert. Stereotaktische Eingriffe an den Gehirnseitenlappen, Elektroschocks sowie Hormonbehandlungen sind alle eher von mäßigem Erfolg gewesen. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen und andere Formen der Gesprächstherapie scheitern oft an der mangelnden Krankheitseinsicht des Patienten. In diesen Fällen kann eine Zwangstherapie begleitender Symptome wie Alkoholismus angezeigt sein.

(c) Wolf Deunan

http://www.lustschmerz.de/LS/Die_Definition_Vanilla.563.0.html

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